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Hier finden Sie interessante Neuigkeiten und Ereignisse aus dem Hause der Jaisli-Xamax AG.

Architektur im Dialog

Wie entsteht ein Zuhause, das sich auf selbstverständliche und natürliche Weise in seine Umgebung fügt? Wir haben David Nussbaumer und Sabine Brandenberg von Nussbaumer Architekten AG getroffen und einen Blick auf ihr jüngstes Neubauprojekt geworfen.

Das 2019 von David Nussbaumer in Zürich gegründete Architekturbüro realisiert Bauprojekte jeder Grössenordnung – von präzisen Eingriffen im Bestand über Neubauprojekte bis zu städtebaulichen Aufgaben. Sabine Brandenberg bringt ihre Expertise in der Farbgestaltung und Raumwirkung ein. Die besondere Leidenschaft des Büros ist die Transformation historischer Bauten.

Am oberen Dorfrand von Oetwil am See, dort, wo die Bebauung in die offene Wiesenlandschaft des «Pfannenstiels» übergeht, entsteht mit der Siedlung Hohwies ein Wohnprojekt, das Verdichtung und Natur in ein neues Gleichgewicht bringt.

Wenn ihr auf dieses Neubauprojekt blickt: Was war die Idee, die alles andere getragen hat?

Im Zentrum stand die Idee, landwirtschaftliche Zweckbauten durch zeitgemässe Wohnstrukturen zu ersetzen und neuen Wohnraum für Oetwil am See zu schaffen. Anstatt generische Baukörper hinzustellen, wurde bewusst eine Lösung entwickelt, die sich in die gewachsene dörfliche Struktur einfügt. Die Holzfassade leitet sich von einer Scheune ab, die das Ortsbild lange geprägt hat, bis sie den Neubauten weichen musste. Auch die HolzHybrid-Konstruktion greift diesen
Bezug auf und übersetzt ihn in eine zeitgemässe architektonische Sprache.

Welche Bedürfnisse der zukünftigen Bewohner*innen haben euch im Entwurfsprozess am meisten beschäftigt?

Im Entwurfsprozess stand das Ziel im Vordergrund, nutzungsneutrale Räume zu schaffen, die unterschiedliche Lebenssituationen aufnehmen können und langfristig funktionieren. Effiziente Grundrisse ermöglichen dabei eine optimale  Nutzung des Wohnraums. Gleichzeitig spielte der Bezug zur Landschaft eine zentrale Rolle. Loggien öffnen den Blick ins Grüne, während zwischen den Häusern gemeinschaftliche Flächen mit Wildblumenwiesen und Obstbäumen entstehen.

Wie unterscheidet ihr architektonisches Licht von technischer Beleuchtung?

Licht ist eines der zentralen Gestaltungsmittel der Architektur und prägt das Wohlbefinden stärker, als oft angenommen wird. Tageslicht wird deshalb von Beginn an in den Entwurf integriert. In der Siedlung Hohwies sind die Wohnungen dreiseitig ausgerichtet, sodass sich der Tagesverlauf im Raum abbildet: Die Schlafzimmer orientieren sich nach Osten, die Wohn- und Essbereiche nach Westen. Das natürliche Licht wird durch eine warme und atmosphärische künstliche Beleuchtung ergänzt. In der Erschliessung sowie im Aussenraum hingegen stehen Funktionalität und Sicherheit im Vordergrund.

Welche Rolle spielen die Materialität und das Farbkonzept für das emotionale Wohngefühl?

Die Materialität und das Farbkonzept prägen die Atmosphäre und Wahrnehmung entscheidend – sowohl visuell als auch haptisch. Das Ziel ist eine zeitlose Gestaltung, die unabhängig von kurzlebigen Trends funktioniert und auf langlebige, nachhaltige Materialien setzt. Das Holz fügt sich dabei selbstverständlich in den regionalen Kontext ein und bringt eine natürliche Wärme in die Architektur. Das Farbkonzept orientiert sich an der Umgebung – den Wiesen, Obstbäumen und saisonalen Veränderungen der Landschaft.

Wie viel Individualität darf oder muss ein Wohnbau ermöglichen?

Grundrisse und Gestaltung sollen nicht einschränken, sondern Spielraum für unterschiedliche Lebensentwürfe lassen. Architektur bildet die Bühne, die von den Bewohnern und Bewohnerinnen individuell bespielt wird und sich mit ihnen
verändert und weiterentwickelt. Gerade im Mietwohnungsbau, wo individuelle Wünsche nur begrenzt berücksichtigt werden können und die Anforderungen variieren, ist diese Offenheit entscheidend.

Was bedeutet «smart» für euch: Technologie oder räumliche Intelligenz?

Für uns beginnt «smart» bei der räumlichen Intelligenz: Grundrisse müssen anpassbar sein, Gebäude zueinander in Beziehung stehen. In der Siedlung Hohwies schaffen Zwischenräume und die gefächerte Setzung der Häuser sowohl Privatsphäre als auch gezielte Blickbezüge. Die Technologie ergänzt diese räumlichen Qualitäten. Wir planen grundsätzlich mit konsequenter Systemtrennung, sodass ein Gebäude langfristig funktionieren kann – auch dann, wenn sich einzelne Technologien verändern oder weiterentwickeln. Entsprechend ist die Siedlung auf zukünftige Entwicklungen vorbereitet, etwa durch nachrüstbare Lösungen im Bereich E-Mobilität.

Gibt es in diesem Projekt einen Raum oder ein Detail, das besonders viel aus wenig Fläche macht?

Die verfügbare Fläche ist häufig durch baurechtliche, wirtschaftliche oder ortstypische Rahmenbedingungen begrenzt. Umso wichtiger ist es für uns, einen möglichst grossen Anteil der Fläche dem eigentlichen Wohnraum zu widmen. Dies gelingt, indem Verkehrsflächen reduziert und Räume effizient organisiert werden. In der Siedlung Hohwies entsteht beispielsweise im Wohn- und Essbereich, der sich übereck um die Loggia legt, eine räumliche Differenzierung, die ein Gefühl von Grosszügigkeit erzeugt.

Wie wird sich das Wohnen in den nächsten 20 Jahren verändern?

Wie sich das Wohnen konkret verändern wird, lässt sich nur bedingt vorhersagen. Entscheidend ist vielmehr, dass Gebäude auch noch in 20, 50 oder 100 Jahren funktionieren. Technologische Entwicklungen werden den Alltag weiter prägen, etwa in den Bereichen Energie, Komfort und Sicherheit. Trends wie Smart Living beobachten wir aufmerksam. Die Architektur muss jedoch unabhängig davon tragfähig bleiben: Die Technologie kann Unterstützung bieten, ersetzt aber nicht die räumliche Qualität.

Die 20 Wohnungen sind dreiseitig orientiert und öffnen sich bewusst in die Weite – mit Blick zum  «Pfannenstiel» und ins Zürcher Oberland.

Das Projekt

Drei Mehrfamilienhäuser in Holzbauweise liegen wie präzise gesetzte Findlinge in der grünen Obstwiese und fügen sich sanft in die Landschaft ein. Jedes Haus ruht auf einem verputzten Sockel, darüber erhebt sich eine viergeschossige Holz-Hybrid-Konstruktion, gefasst von einer fein gegliederten Holzfassade. Die 20 Wohnungen sind dreiseitig orientiert und öffnen sich bewusst in die Weite – mit Blick zum «Pfannenstiel» und ins Zürcher Oberland. So entstehen Räume, die nicht nur funktional, sondern auch räumlich grosszügig konzipiert sind. Überdachte Loggien erweitern den Wohnraum nach aussen und schaffen fliessende Übergänge zwischen Innenraum und Landschaft. Architektur und Umgebung
treten in einen natürlichen Dialog.

Foto Portrait: Katrin Huth⁠
Fotos: Rui Cardoso⁠

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