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Hier finden Sie interessante Neuigkeiten und Ereignisse aus dem Hause der Jaisli-Xamax AG.

Bauen zwischen Vision und Realität

Wohnen ist mehr als ein Dach über dem Kopf. Es ist Lebensraum, Ausdruck von Persönlichkeit und eine der grossen Herausforderungen unserer Zeit. Wie wollen wir künftig leben? Wie viel Platz benötigen wir? Und wie gelingt es, Verdichtung und Lebensqualität in Einklang zu bringen?

Einer, der sich seit Jahrzehnten mit diesen Fragen beschäftigt, ist Balz Halter. Als Verwaltungsratspräsident und Hauptaktionär der Halter Gruppe hat er die Entwicklung zahlreicher Quartiere mitgestaltet und früh erkannt, dass gutes Bauen weit über das Errichten hinausgeht. Projekte wie die Pilatus Arena, der Limmat Tower oder aktuell das Attisholz-Areal, die wir gemeinsam realisieren durften und dürfen, zeigen, wie konsequent diese Haltung in der Praxis umgesetzt wird.

Ich treffe Balz im Halter-Büro im Schlieremer JED, das den Wandel vom Industriegebiet zu einem lebendigen Quartier vorbildlich sichtbar macht. Der perfekte Rahmen für ein Gespräch über neue Wohnformen, Verdichtung und die Zukunft des Wohnens.

Rolf Weber (RW): Ich erinnere mich noch gut an meine ersten Berührungspunkte mit Halter. Ich war damals ein junger Projektleiter und habe wirklich gestaunt: Innenhöfe, grosse Terrassen – diese Offenheit. Das war damals eine komplett neue Art zu bauen. Welches Projekt war rückblickend die schönste Herausforderung für dich?

Balz Halter (BH): Limmatwest war ein besonderes Projekt für mich. Ich war Anfang 30, also ziemlich jung für so eine grosse Kiste. Gleichzeitig war es eine schwierige Zeit: Wir steckten in einer Immobilienkrise und bauten in einem Industriequartier. Damals konnte sich kaum jemand vorstellen, dass man dort wohnen will. Wir mussten Investoren überzeugen und neue Wege gehen, auch in der Vermarktung. Damals kam das Internet auf und wir konnten sogar eine Wohnung darüber verkaufen (lacht). Das war eine coole Geschichte, aber sie bereitete uns schon auch einige schlaflose Nächte.

 

RW: Aber es hat funktioniert. Heute ist Limmatwest ein gefragtes Objekt.

BH: Ja, und es hat gezeigt, dass man auch unter anspruchsvollen Rahmenbedingungen Qualität schaffen kann. Die Wohnungen sind bis heute sehr beliebt.

«In den Agglomerationen entstehen neue Zentren, die zunehmend städtische Qualitäten entwickeln.»

RW: Ich spanne den Bogen ins Heute: Wir haben kürzlich ein Projekt mit vielen kleinen, kompakten Wohnungen umgesetzt, die oft nur mit einer Dusche ausgestattet waren. Ist das der Trend?

BH: Die Nachfrage hat sich klar verändert. Es gibt mehr Einpersonenhaushalte, gerade in den Städten. Gleichzeitig müssen Wohnungen effizient sein, damit sie bezahlbar bleiben. Das wirkt sich direkt auf die Grundrisse aus und damit auf Details wie Dusche statt Badewanne.

 

RW: Ich brauche die Badewanne vielleicht zweimal im Jahr, wenn ich krank bin.

BH: Das hören wir oft. (lacht)

RW: Was ich spannend finde: Ihr geht noch weiter und entwickelt flexible Wohnformen. Ich erinnere mich an einen Vortrag von dir. Da hast du ein Konzept gezeigt, bei dem sich Wohnungen situativ verändern lassen.

BH: Genau. Mit «Movement» verfolgen wir die Idee, Wohnungen an unterschiedliche Lebenssituationen anpassbar zu machen. Wände lassen sich verschieben, sodass auch auf kleiner Fläche eine flexible Nutzung möglich ist. Der Hintergrund ist klar: Land und Bauen werden immer teurer und damit letztlich auch der Wohnraum. Auf diese Herausforderung geben wir eine Antwort.

 

RW: Wenn Flächen knapper und Wohnungen kompakter werden, kommen wir automatisch zur Verdichtung. Ist das überhaupt noch eine Frage, oder ist es längst Realität?

BH: Das ist Realität. Gerade im Grossraum Zürich haben wir praktisch keine Baulandreserven mehr. Die Industrieareale, die man umnutzen konnte, sind weitgehend entwickelt. Das heisst: Wenn wir zusätzlichen Wohnraum schaffen wollen, müssen wir in bestehenden Quartieren verdichten.

«Ohne Perspektive entstehen zwar Projekte, aber nicht unbedingt funktionierende Stadtquartiere mit einer eigenen Identität.»

RW: Das führt in der Gesellschaft jedoch immer wieder zu Widerstand.

BH: Ja, das ist verständlich. Verdichtung bedeutet Veränderung. Höhere Kosten, mehr Höhe, mehr Menschen, vielleicht weniger Sonne. Das löst Ängste aus. Deshalb klären wir früh, ob ein Projekt auch politisch getragen wird. Und dann gilt es, die Bevölkerung einzubeziehen, zu erklären, was entsteht und welche Chancen sich auftun.

 

RW: Du sagst aber auch klar: Es reicht nicht, einfach dichter zu bauen.

BH: Richtig. Heute entstehen viele Quartiere aus einzelnen Arealentwicklungen heraus. Was oft fehlt, ist eine langristige, übergeordnete Stadtplanung: Wie soll sich ein Gebiet in 20, 30 oder 50 Jahren entwickeln? Ohne diese Perspektive entstehen zwar Projekte, aber nicht unbedingt funktionierende Stadtquartiere mit einer eigenen Identität.

«Limmatwest war eine Herausforderung und genau das hat uns angespornt.»

RW: Gleichzeitig werden die Rahmenbedingungen immer komplexer. Ich habe manchmal das Gefühl, man braucht mehr Geduld als früher.

BH: Das ist so. Die Verfahren dauern länger, die Rahmenbedingungen ändern sich – etwa durch neue Regulierungen – und das führt wiederum dazu, dass Projekte überarbeitet werden müssen. Das macht Investitionen anspruchsvoller und führt am Ende dazu, dass weniger gebaut wird, obwohl die Nachfrage da ist.

 

RW: Wenn wir dennoch den Blick nach vorne wagen: Wo siehst du in Zukunft die meisten Entwicklungsmöglichkeiten?

BH: Vor allem in den Agglomerationen. Dort entstehen neue Zentren, die zunehmend städtische Qualitäten entwickeln. Wichtig ist, dass diese Orte nicht nur Wohnstandorte sind, sondern gemischte Quartiere mit Arbeitsplätzen, Dienstleistungen, kurzen Wegen und guter Anbindung an den öffentlichen Verkehr.

 

RW: Dann sind wir ja am richtigen Ort! Zum Abschluss noch eine persönliche Frage: Was geht dir durch den Kopf, wenn du heute durch ein Quartier fährst, das ihr entwickelt habt?

BH: Es gibt Projekte, an denen ich vorbeifahre und mir denke: «Das würde ich heute ein wenig anders machen.» Aber es macht natürlich grosse Freude. Es ist ein echtes Privileg, zu sehen, wie aus einer Idee ein realer Ort wird, an dem Menschen gerne leben. Ich sage meinen Mitarbeitenden auch immer wieder: «Wir haben den schönsten Job!»

 

⁠Fotos: ⁠Raphaela Pichler⁠

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