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Die Menschen hinter aussergewöhnlichem Design

Für unser recharge Magazin haben wir die drei Designerinnen getroffen, eines ihrer Projekte genauer unter die Lupe genommen und ihnen drei spannende Fragen gestellt. In diesem Beitrag lernen Sie Nadja Stäubli von «Sula» kennen.

Nadja Stäubli
Nadja gründete ihr Studio 2012 unter dem Namen «Schönstaub». Was als visuelles Experiment der Fotografin und Kreativdirektorin begann, ist heute «Sula».

Sula – eine Galaxie mitten im Hauptbahnhof
Nadja Stäubli, Creative Director, gründete «Sula» 2012 in Zürich.Was als Designstudio begann, ist heute weit mehr: ein kreativer Kosmos, in dem Räume konzipiert, Welten kuratiert und eigenständige Identitäten für Interior-, Hospitality- und Kulturprojekte entwickelt werden. Nadja arbeitet an der Schnittstelle von Objekt, Raum, Ausstellung und Markenkooperation. Ihre Projekte reichen von massgeschneiderten Interior-Konzepten und räumlichen Inszenierungen bis zu kuratierten Ausstellungen und Design-Kooperationen für Unternehmen, Institutionen und private Auftraggeber. Durch spielerische Eingriffe und mutige Farbwelten entstehen neue Perspektiven auf vertraute Formen. Wenn dann Präzision und Opulenz aufeinandertreffen, sprechen Räume plötzlich ihre ganz eigene Sprache.

Mit «Sula» hat Nadja ein Studio für Interior-Objekte und textile Arbeiten aufgebaut, in enger Zusammenarbeit mit internationalen
Handwerker*innen und spezialisierten Manufakturen. Vierzehn Jahre vielseitiger Projekte haben eine unverwechselbare Farb- und Materialsprache hervorgebracht. «Sula» arbeitet für private Auftraggeber wie auch für den B2B-Bereich: für
Hotels, Restaurants, kulturelle Institutionen und exklusive Interiors. Die Teppiche überzeugen durch kraftvolle Farbkompositionen, einmalige Muster und eine Materialität, die man spürt. Ob massgefertigter Teppich oder ganzheitliches Textilkonzept, «Sula» macht es möglich. Kein Wunder, dass Nadjas Arbeiten in Vogue, Architectural Digest und das New York Times Magazine Eingang gefunden haben.

Den Höhepunkt bildet «Chroma», eine multisensorische Schweizer Designausstellung, kuratiert von Nadja Stäubli im Rahmen von NYCxDESIGN in New York und präsentiert vom Schweizerischen Generalkonsulat.

Für das Restaurant Süd im Zürcher Hauptbahnhof entwarf und produzierte das Zürcher Designstudio im Auftrag von suter plus GmbH einen überdimensionalen Teppich als zentrales Gestaltungselement des Interieurs. Der Teppich basiert auf dem charakteristischen Galaxy-Design aus der Nebula-Kollektion von «Sula» und misst nahezu 30 Meter. Mit seiner dynamischen, farbintensiven Struktur bringt er Bewegung und Tiefe in den Raum und fungiert zugleich als verbindendes Element innerhalb des grosszügigen Restaurantbereichs. Im historischen Ambiente des Gebäudes, dessen Architektur bis ins 19. Jahrhundert zurückreicht, setzt der Teppich bewusst einen zeitgenössischen Kontrast. Die lebendige Formensprache und die intensive Farbigkeit verleihen dem Raum eine neue
Dynamik und schaffen einen spannungsvollen Dialog zwischen historischer Substanz und moderner Gestaltung. Der Boden wird hier zum gestalterischen Protagonisten und prägt die Atmosphäre des Restaurants im Hauptbahnhof. Das Projekt zeigt, wie textile Gestaltung über Dekoration hinaus zu einem integralen Bestandteil der Innenarchitektur werden kann.

«Der Teppich als Objekt wird oft unterschätzt.»

Drei Fragen an Nadja Stäubli

Der Teppich im Restaurant Süd ist mit fast 30 Metern Länge ein prägendes Element im Raum. Wie verändert sich die Wirkung eines Interiors, wenn der Boden zum zentralen Gestaltungselement wird?

Der Teppich als Objekt wird oft unterschätzt. Viele betrachten ihn als Nebensache. Dabei ist oftmals er es, der einen Raum zusammenhält. Im Restaurant Süd nimmt er diese Rolle auf besonders eindrückliche Weise ein: Er strukturiert den Raum, verleiht ihm eine klare Richtung und wird so zum eigentlichen Rückgrat des Interiors. Ein Teppich in dieser Dimension verändert auch die Wahrnehmung des Raumes und die Art und Weise, wie man sich darin bewegt.
Gleichzeitig erfüllt er eine akustische Aufgabe: Er absorbiert Schall, verbessert die Raumakustik spürbar und erzeugt vom ersten Moment an eine einladende Atmosphäre.

Im Restaurant Süd trifft dein farbintensives Galaxy-Design auf ein Interieur aus dem 19. Jahrhundert. Wie findest du die Balance zwischen dem Respekt vor dem historischen Raum und einer selbstbewussten zeitgenössischen Gestaltung?

Für mich geht es nicht darum, den historischen Raum zu kopieren oder sich ihm gegenüber allzu behutsam zu verhalten – sondern darum, ihn ernst zu nehmen und ihm bewusst etwas Eigenständiges entgegenzusetzen. Gerade diese Spannung zwischen den Ebenen macht ein Projekt interessant. Wer sich allzu stark anpasst, riskiert, dass die Arbeit an Kraft und Haltung verliert. Der Teppich darf auffallen und dezidiert zeitgenössisch sein, denn darin liegt die Voraussetzung für einen echten Dialog zwischen Alt und Neu. Schlussendlich ist es eine Frage der Balance: dem Raum etwas hinzuzufügen, das ihn nicht abschliesst, sondern weiterdenkt.

Deine Arbeiten zeigen, dass Teppiche viel mehr sein können als bloss dekorative Elemente. Was interessiert dich am meisten daran, Räume durch Textilien zu gestalten?

Textilien bieten eine ausserordentliche gestalterische Freiheit. Farbe, Muster und Haptik schreiben sich in den Raum ein, ohne in die Architektur einzugreifen. Sie fügen eine zusätzliche Ebene hinzu, die jederzeit neu gedacht und interpretiert werden kann. Für mich sind Teppiche deshalb weit mehr als Dekoration: Sie definieren die Stimmung eines Raumes und bestimmen massgeblich, wie er sich anfühlt: von zurückhaltend bis ausdrucksstark und voller Energie.

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